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Leben auf Malonia

 

Empfangen aus den Sphären des Lichts


Hier schildert Sebastian, ein Malonier, sein Leben auf Malonia. Sebastian war ein Außenseiter auf Malonia. Je älter er wurde, umso weniger konnte er sich mit dem allgemeinen denken auf Malonia abfinden. Sebastian war ein liebevoller Mensch, der im Grunde seines Herzens jede Form der Gewaltanwendung ablehnte


Auf zum Militär

Gestern fand eine große Feier statt. Ich hatte Geburtstag und wurde 18 Jahre (72 Erdenjahre) alt. Es war eine Feier mit vielen Gästen. Ich bin vom Staat für Ehrenvolle Verdienste ausgezeichnet worden. Es gab neben der obligaten Urkunde sogar noch ein Geschenk, einen goldenen Ring. Ich macht gute Miene zu diesem Spiel, denn ich wollte eigentlich überhaupt nicht Soldat werden. Man hat mich bereits in jungen Jahren dienstverpflichtet.

Ich war mehrere Jahre lang Soldat. Der Kriegsdienst war mir all die Jahre ein Gräuel Ich habe diesen Dienst gehasst, aber ich hat­te Glück, denn für den Krieg wurde ich nicht heraus­ge­sucht. Ich durfte im Depot zurück­bleiben. Wäh­rend meiner Kriegs­dienstzeit habe ich mehre­re Ma­gen­geschwüre bekom­men und war daher nicht einsatz­fä­hig. Die Magen­ge­schwüre waren oft so schlimm, dass ich wochenlang bett­lä­ge­rig war.

Den Ring hat eigentlich jeder bekommen, der zu meiner Zeit diesen Kriegsdienst absolvieren musste Schließlich haben sie mich dann entlassen, denn ich war mehr Pflege­fall, als Soldat. Jetzt muss ich den Ring in der Öffent­lichkeit tragen, das er­wartet man von mir, denn man ist hier sehr stolz auf die Armee und alle die darin dienen oder gedient haben. Es war eine schlimme Zeit, ich werde sie nie vergessen.Kurze Zeit nach meiner Entlassung aus de Armee bekamen wir Besuch. Es waren Freunde meiner Frau. Sie liebt Gesellschaft. Wir haben über den Kriegs­dienst ge­sprochen. Der Bekannte meiner Frau ereiferte sich über die Notwendigkeit einer Armee. Unsere Mei­nun­gen waren wohl sehr unterschiedlich und es kam zum Streit, in dem ich ihn sogar angebrüllt habe. Schließlich griff mich der Bekannte meiner Frau an. Ich wehrte mich, und ehe ich mich versah, hatte ich ihm schon einen Zahn ausgeschlagen. Daraufhin meinte der Bekannte dann, ohne Armee würde er sich nicht mehr in mein Haus trauen und verabschiedete sich wutschnaubend. Sie haben uns nie wieder besucht.

Meine Frau war beleidigt und hat mit mir tagelang nicht mehr gesprochen. Sie fand die beiden so nett und ich hätte halt überreagiert. Wir haben nie wieder über die beiden gespro­chen.

Als Unser Sohn Johannes das entsprechende Alter hatte, sollte auch er zum Militär. Ich habe ihm dringend davon ab­geraten. Ich hätten es schaffen können, dass er nicht ein­­gezo­gen wird, aber er war geradezu euphorisch und meine Frau hat ihn dabei auch noch unterstützt.. Er möchte unbe­dingt Kampfflugzeugpilot werden.

In der Schule haben sie spezielle Übungsgeräte, mit denen man Kampfeinsätze simulieren kann. Sein Lehrer meinte, er sei der Beste und er solle unbedingt Pilot werden. Sein Lehrer hat ihn sehr stark beeinflusst und auch die öffentliche Stimmung ist sehr begeistert davon, eine starke Armee zu haben. Es ist mir nicht gelungen, ihn umzustimmen. Er wird uns verlassen, um seinen Traum, Kampfflugzeugpilot zu werden, wahr zu machen.

Elfriede, meine Frau trauert mehr um die Tatsache, dass Johannes bald das Haus verlassen wird. Die Tatsache, dass er vielleicht tatsäch­lich Kampfflugzeugpilot wird, ist für sie kein Thema. Sie ist viel staatstreuer als ich. Wenn er als Held im Krieg sterben würde, wäre sie sogar noch stolz auf ihn! Elfriede ist mir so fremd geworden, dass ich mich frage, wie ich diese Frau jemals heiraten konnte.

 

Die Bombe

In allen Medien wird voller Begeisterung darüber berichtet, dass eine neue Waffe getestet werden soll, die Atombombe. Sie behaupten, die Atombombe solle nicht für Kriegszwecke eingesetzt werden. Es handele sich ausschließlich um ein wissenschaftliches Experiment. Die Atomkraft soll, so sagt die Regierung, ausschließlich zur Energiegewinnung genutzt werden. Als ehemaliger Soldat weiß ich, dass das Militär auf eine solche Waffe wartet. Es gibt immer wieder Krieg und mit der Atombombe möchte man den Gegner einschüchtern.

Ich habe Elfriede gesagt, dass man uns belügt, aber Elfriede meinte, wir bräuchten doch Energie und der Mensch kann gar nicht auf die Idee kommen, die Bombe für kriegeri­sche Zwecke einzusetzen. Elfriede ist einfach blind, sie sieht nicht die Realität. Wenn morgen der Wind anders weht, dann könnte diese Bombe auch für kriegeri­sche Zwecke bewusst genutzt werden. Wir sind alle ge­fährdet und alle gucken weg. Unser Planet ist in Gefahr. Wie weit soll das alles noch ge­hen?

Die Begeisterung für die Atomenergie in der Bevölkerung ist groß. Jetzt haben sie ein neues Spiel auf den Markt gebracht, das reißenden Absatz findet. Es heißt: „Wer wirft die Bombe zuerst”!

Ich konnte es nicht fassen. Aus diesem ernsten Thema macht man ein Gesellschaftsspiel. Die Bombe wird zur Banalität! Ich glaube, die Malonier haben jegliches Ge­wis­sen unter den Tisch gekehrt. Es ist ihnen anscheinend völlig egal, dass Men­schen getötet werden. Hier geht es nur noch um den Kitzel „Lust zu Töten”. In was für einer Welt lebe ich hier? Das Le­ben ist zu trostlos, am liebsten würde ich sterben.

Ich habe von einem Bericht über Bestrah­lungs­versu­che an Mäusen. Mit diesen Versuchen will man he­r­aus­finden, welche Strahlendosis die Tiere noch ver­kraf­ten können. Ins­geheim ist mir in den Sinn gekommen, dass sie diese Versuche auch mit Menschen machen. Vielleicht nehmen sie Gefan­gene? Natürlich unter dem Deck­män­tel­chen wissenschaftli­cher Versuche. Ich traue diesem Staat alle zu!

 

Krieg

Unser Sohn Johannes hat es geschafft und ist inzwischen Kampfflugzeugpilot ge­worden. Seine Begeisterung ist nicht zu bremsen.

Sie haben ihn in Gebiete geschickt, in denen tat­sächlich Krieg herrschte und er ist sehr erfolgreich.

Endlich kann er zeigen, was in ihm steckt. Ja, er ist ein Mörder. Ich habe einen Sohn gezeugt, der Menschen tö­tet! Ich bin dafür verantwortlich, dass mein Sohn Men­schen tötet - und er zeigt überhaupt kein schlechtes Ge­wissen. Nein! Es macht ihm sogar Spaß und der Staat hat ihn geehrt. Er ist jetzt Offi­zier geworden und hat eine Medaille für besondere Verdienste erhalten.

Die ganze Familie ist jetzt privilegiert. Wir müssen nicht mehr so viele Steuern bezahlen und wir dürfen alle staatli­chen Ein­richtungen kostenlos benutzen.

Johannes wurde jetzt aufgefordert, sich für mindestens 10 Jahre (40 Erdenjahre) zu verpflichten. Ich weiß, er wird zustimmen. Er ist ein wahrer Krieger und eine große Ent­täuschung für mich. Aber Elfriede ist auch nicht besser. Sie ist sehr stolz auf un­seren Sohn. Sie hat sogar ein Interview gegeben und das In­terview wurde im Radio gesendet.

Ich habe mich zutiefst für sie geschämt: Meine Frau Elfriede ist eine Kriegsmutter im wahrsten Sinn des Wortes und eine Schande für die Menschheit. Ich hasse sie! Es gibt keinen Menschen, mit dem ich meine Gedanken tei­len kann. Die Welt ist so voll Hass und Gewalt. Das Leben auf dieser Welt ist nicht mehr schön. Die ganze Welt ist voller Hass.

Inzwischen hat der Krieg auch unser Land erreicht. Unser Land ist angegriffen worden von einem Nachbar­staat. Im Radio heißt es, „wie wichtig ist es doch, dass unser Staat ei­ne leistungsfähige Armee hat”. Wir dürfen keine Lichter mehr an­ma­chen. An alle Haushalte wurden kleine Laternen verteilt. Wir dürfen unsere Wohnräume nur noch mit diesen schwachen Lämpchen beleuchten. Wir sind jetzt im Kriegszustand.

Es ist doch nicht der erste Krieg, den unser Land erlebt. Ich verstehe nicht, warum die Leute nicht dazugelernt haben. Kein Krieg hat jemals eine positive Veränderung gebracht. Immer gab es nur Zerstörung, Leid, Not und Tod. Warum verstehen die Leute nicht, dass man viel besser miteinander leben kann, wenn man den anderen so annimmt, wie er ist. Wir hoffen sehr, dass der Krieg bald ein Ende findet. Die Nahrungsmittel, die man kaufen kann, sind knapp und minderwertig. Meine Frau jammert den ganzen Tag, dass es nichts Anständiges zu essen gibt. Es war wohl der größte Fehler meines Lebens, dass ich diese Frau geheiratet habe. Warum musste ich dieser Frau begegnen? Ich hasse sie. Sie ist eine Schande. Lieber würde ich alleine leben, als mit dieser Frau. Sie sagt, unser Land muss schließlich verteidigt werden und sie hofft, dass unser Fami­lienname einmal einen besonderen Titel erhält. Das ist ihr größ­ter Wunsch, denn dann würde sie zu den privilegierten Malo­niern gehören. Diese Familien, sogenannte „staatstreue Familien” bekommen sogar ein ge­sondertes Gehalt und wer­den mit einem Adelstitel geehrt.

Elfriede möchte im Mittelpunkt stehen und Johannes soll ihr dazu verhelfen. Wenn er so weitermacht, hat er es bald ge­schafft. Er hat immerhin schon 300 Kampfflug­zeuge abge­schossen und bei 500 Abschüssen erhält die Familie den Adelstitel. Elfriede ist ganz begeistert von dieser Aussicht. Sie merkt überhaupt nicht, dass bei jedem Abschuss Menschen getötet werden. Sie sieht nur den möglichen Ruhm.

Der Krieg hat in unserer Familie ein erstes Opfer gefordert. Unser Hund Daldi ist gestorben. Er ist von einem Kampfflug­zeug getroffen worden. Ein Laserstrahl hat ihn getötet. Es war der Hund von Johannes. Johannes ist so kalt geworden, er meinte nur, wir sollen uns einen neuen Hund kaufen, Daldi war doch schon ein alter Hund und er wäre sowieso bald gestorben.

Wir haben uns keinen neuen Hund gekauft, schließlich ist Jo­hannes kaum noch da und Daldi war uns doch ans Herz ge­wachsen. Johannes ist mir ein Gräuel geworden. Er ist nicht mehr mein Sohn. Er ist ein Kampfroboter gewor­den, eine Schande für die Menschheit. Im Grunde ge­nommen möchte ich ihn nie wieder sehen.

 

Heldentod

Johannes ist für ein paar Tage nach Hause gekommen. Elfriede hat ihm seinen Lieblingskuchen hergestellt. Eclairs hat er schon im­mer gerne gegessen, unser Mörder. Wir haben zusammen ge­ses­sen. Elfriede und er haben Eclairs geges­sen während er uns von seinen Kampfeinsätzen berichtet hat. Mit stolzer Brust hat er erzählt, auf welche Weise er seine Gegner ausgetrickst hat. Es tat mir sehr weh, denn er ist sich überhaupt nicht bewusst, dass er mit jedem Abschuss Menschen Tötet und deren Angehörigen großen Kummer bereitet.

Elfriede ist begeistert. Nun hat er schon 450 Kampfflug­zeu­ge abgeschossen. Elfriede kann es schon kaum erwar­ten. Bald haben wir den Adelstitel und sie ist eine feine Dame der Ge­sellschaft.

Johannes trägt mit Stolz einen goldenen Ring mit vier Dia­manten. Er berichtete mir stolz, dass er diesen Ring nach dem 400. Abschuss erhalten hat. Unser Staat beför­dert gewissenlo­se Mörder. Das widerspricht jeglichem ge­sunden Menschen­verstand. Die Kriegslust auf Malonia ist sehr stark. Ich fühle mich in dieser Welt deplaziert Ich hasse diesen Staat und ich hasse Malonia.

Inzwischen ist einige Zeit vergangen und Elfriede wartet darauf, dass Johannes endlich den 500. Abschuss meldet. Es kann sich nur noch um tage handeln. Stattdessen haben wir die Todesnachricht erhalten: Johannes ist im Kampfeinsatz getötet worden. Er hatte bereits 499 Flugzeuge abgeschossen. Elfriede ist zusammengebro­chen. Aber nicht, weil Johannes gestorben ist, sondern weil wir den Adelstitel nicht erhalten werden. Sie hat ge­sagt, sie will nicht mit mir reden, ich sei an allem schuld, ich hätte den Jungen mehr mo­tivieren sollen! Ich kann sie nicht verstehen, ist ihr denn der Adelstitel wichtiger, als das Leben ihres einzigen Sohns?

Das war zu viel für mich. Ich habe ihr ins Ge­sicht geschrien, sie ist die Mutter eines Massenmör­ders! Jetzt reden wir überhaupt nicht miteinander. Es lohnt sich sowieso nicht, sich mit dieser Frau zu unterhal­ten. Ich hasse sie, sie ist eine gewissenlose barbarische Frau. Warum habe ich nur diese Frau geheiratet?

Wir haben vom Staat eine Einladung bekommen. Die Helden von Malonia werden geehrt. Unser Sohn sei ein Held, hat man uns gesagt. Der oberste Kriegsherr von Malonia hat uns emp­fangen. Er sagte, unser Sohn sei ein Held und das malonische Volk sei ihm für seine treuen Dienste ewig dankbar.

Elfriede bekam eine goldene Nadel mit einem Diamanten. Diese Nadel wird Müttern von Kriegshelden überreicht. Den Adelstitel haben wir Gottseidank nicht bekommen. Elfriede hat zum Glück die Nadel und die trägt sie immer stolz an ihrer Brust.

Sie trifft sich jetzt auch mit anderen Müttern von Kriegs­hel­den. Dort verbringt sie auch viel ihrer Freizeit. Ich bin froh, wenn sie nicht in meiner Nähe ist. Ihre Anwesenheit widert mich an. Ich hasse sie. Woher bekomme ich nur die Kraft, um das Leben mit ihr durchzuhalten?

 

Atomversuche

Wir haben inzwischen noch eine Todesnachricht erhalten: Ein lieber Bekannter von uns ist gestorben. Er war noch gar nicht so alt, erst 10 Jahre! Über eine geheime Quelle haben wir er­fahren, wie er gestorben ist: Man hat ihm Geld angeboten, damit man ihn als medizinisches Ver­suchsobjekt benutzen kann. Freunde von ihm erzählten mir, dass er ein harmloses Medikament bekommen würde. Er war immer wieder mal zu Besuch bei diesen Freunden. Sie besitzen einen Geigerzähler und es ist bei ihnen gang und gäbe, dass man sich häufig gegenseitig auf radioaktive Strahlung testet.

Bisher war nie viel dabei herausgekommen, denn die Werte waren immer niedrig. Bei meinem Bekannten sind jedoch die Werte in letzter Zeit immer höher gewor­den. Beim vor­letz­ten Besuch spielte der Geigerzähler ver­rückt. Darauf­hin haben meine Freunde den Geigerzähler zur Reparatur ge­bracht - es konnte kein Fehler am Gerät festgestellt werden.

Die Freunde erzählten, dass mein Bekannter beim letzten Be­such schon fast wie eine Leiche aussah. Der Geigerzähler spielte wieder verrückt. Nun ist er tot, ein Strahlenopfer der Wissenschaft! Ich habe es immer be­fürchtet. Die Wissen­schaft begeht schlimme Verbrechen an der Mensch­heit. Ich weine um Dich, lieber Freund.

Sie haben schon wieder einen Versuch mit einer Atombombe gemacht. Wir haben es erst erfahren, als der Versuch bereits zu Ende war. Ein überirdi­scher Test wurde 150 km entfernt von unserem Haus durch­ge­führt.

Die Regierung hat diesen Test herun­tergespielt: Die Strahlung sei sehr gering gewesen und es bestehe keine Ge­fahr für die Bevölkerung.

Der Regierungspräsident meinte, die Malonier seien ein tapfe­res Volk wie eine Rose. Wenn ab und zu ein Stachel käme, würde ihm das nichts ausmachen. Ja, die Malonier sind ein tap­feres Volk. Jeder Malonier kann stolz auf sich sein, Malo­nia, es lebe hoch!

Keine Menschheit im Universum ist besser als die Malo­nier, Malonia über alles! Eines Tages wird Malonia das Universum regieren, dazu müssen wir jetzt Atomversuche machen. Aber, wie gesagt, sie schaden der Bevölkerung nicht. Eines Tages werden alle Planeten von Malonia re­giert, Malonia ist dazu bestimmt, Herrscher des Univer­sums zu sein. Es lebe Malo­nia, hoch, hoch, hoch!

 

Cornelia

Mein Leben hat einen neuen Sinn erhalten. Ich habe Cornelia kennen gelernt, eine Frau, die mir sehr gut gefällt, aber es ist eine heim­liche Liebe. Elfriede darf nichts davon wissen. Auf Malonia ist es eine Schande, sich scheiden zu lassen. Wenn ich mich scheiden lasse, wird meine Rente gestri­chen. Ich hätte dann kein Geld mehr und die Frau, die ich liebe, hat auch nicht viel Geld. Also muss ich den Schein wahren. Zudem sind die Renten auch noch gekürzt worden. Der Staat braucht alles Geld für den Krieg.

Ich hasse diesen Zustand, aber Cornelia bringt Hoffnung in mein Leben, sie ist die Frau meines Herzens. In ihren Armen kann ich mich ausweinen. Sie hilft mir, dieses Le­ben zu ertra­gen. Ohne sie wäre ich verloren. Trotzdem bin ich ein Ehe­brecher und fühle mich schuldig.

Elfriede hat mir einen Wintermantel aus Stroh genäht. Mit diesem Mantel könnten wir viel Geld sparen, meint El­friede. Ich fühle mich wie eine Vogelscheuche. Sie hat alte Stoffreste zusammen genäht und dann mit Stroh aus­gestopft. Elfriede ist verrückt. Ich laufe nicht mit diesem Mantel auf der Straße herum. Zuletzt hat sie ein Sonderangebot aus dem Supermarkt mit­ge­bracht: Menschenfleisch, 1a-Qualität! Sie hat es auf dem Rost gegrillt. Ich habe Elfriede angeschrien. Ob sie denn überhaupt kein Gewissen hätte, fragte ich sie. Aber ohne mit der Wim­per zu zucken, meinte sie, dass die Frauen aus ihrem Kaffee­kränz­chen ihr das sogar empfoh­len hätten. Sie hat es dann auch tat­sächlich gegessen!

Mit einem gesättigten, befriedigtem Blick schaute sie mich nach dem Motto: Da hast Du aber etwas Lecke­res versäumt. Was ist los mit den Menschen auf Malonia? Wie kommt es, dass sie so primitiv geworden sind, dass sie jetzt sogar Menschenfleisch essen,

Elfriede und ich haben uns dann noch einmal fürchterlich ge­strit­ten. Dann habe ich doch meine Sachen gepackt und bin ge­gangen. Ich konnte es nicht mehr aushalten. Das war nun end­gültig zu viel. Elfriede war für mich auf das Niveau eines Tie­res herabgesunken!

Ja, dann bin ich zu Cornelia gezogen. Das hätte ich schon längst tun sollen. Lieber ein armes Leben in Liebe, als ein rei­ches Leben mit einer Kannibalin!

Elfriede hat einen Unfall gehabt. Sie war in einem Pas­sagier­flugzeug und das Flugzeug ist abgestürzt. Da ich die Schei­dung nicht eingereicht habe, bin ich jetzt offi­ziell Witwer. Das Haus, in dem Elfriede und ich gewohnt haben, werde ich ver­kaufen. Ich möchte keine Verbin­dung mehr zu Elfriede ha­ben. Selbst jetzt, wo sie tot ist, hasse ich sie immer noch.

Warum konnte ich Cornelia nicht früher begegnen? Sie ist der einzige Trost in meinem Leben. Ich habe das schwere Leben mit Elfriede nie überwinden können. Ich kann die seelischen Schmerzen nicht loslassen.

Elfriede ist heute beerdigt worden. Ihr Körper wurde ver­brannt. Die Asche wurde mir überreicht. Ich habe sie in den Müll geworfen. Eine Beerdigung habe ich abgelehnt. Elfriedes Verwandte haben mir vorgeworfen, ich hätte kein Gewissen, sonst hätte ich eine Grabstelle für ihre Asche eingerichtet. Ja, ich habe sie gehasst Eine Frau oh­ne Gewissen benötigt keine Grabstätte. Kein Mensch soll sich je wieder an sie erinnern. Die Bezeichnung Mensch für Elfriede ist nicht gerechtfertigt. Sie hatte die gewis­senlose Seele eines Tieres. Ich hasse Dich, Elfriede, im­mer und ewig!

 

Strahlenkrank

Cornelia liebt Kaninchen. Sie züchtet sie. Allerdings es­sen wir beide kein Kaninchenfleisch. Sie mag sie einfach als Haus­tiere. Eines Morgens kam sie tränenüberströmt zu mir: Alle Tiere waren tot. Wir haben sie einigen Freun­den gezeigt, die ich schon von früher kenne. Alle Tiere waren verstrahlt!

Es gibt nur eine Erklärung: Die Regierung hat wieder Atom­versuche durchgeführt. Auch unsere Körper sind ge­schädigt. Die Werte waren bei uns allen überdurchschnittlich hoch. Wir haben Angst, wir befürchten, dass wir alle an Leukämie ster­ben werden. Jetzt sind wir Strahlenopfer unserer Wissen­schaft.

Ich glaube, unser Planet besteht fast nur aus Menschen ohne Gewissen. Cornelia und ich haben uns in den Armen gelegen und geweint. Wie lange wird es wohl dauern, bis wir den qualvollen Tod sterben? Wie lange noch?

Cornelia und ich haben seit Tagen Brechreiz. Wir sind sehr müde und die Augen sind eingefallen. Besonders Cornelia hat schwarze Ringe unter den Augen. Nun sind sie da, die ersten Anzeichen der Leukämie. Wir haben es eine Zeit lang verdrängt. Letzte Nacht haben wir beide zusammen gesessen und gebetet. Dann haben wir ge­weint. Wir haben GOTT angefleht, uns die Kraft zu geben, die Krankheit anzunehmen. Vielleicht sterben wir zur glei­chen Zeit, dann wäre es für uns einfacher. Trotz­dem haben wir große Angst und jeden Tag wird die Angst größer. Wenn wir nur die Kraft hätten, das alles anzu­nehmen.

Cornelia ist zusammengebrochen. Sie wurde ins Kranken­haus gebracht. Die Ärzte haben gesagt, es gibt keine Rettung, in ein paar Wochen ist alles vorbei. Sie haben auch mich unter­sucht. Auch für mich ist der Tod nicht weit. Welch eine grau­envolle Art, zu sterben. Ich hasse die Regierung von Malonia, sie ist an Cornelias und an meinem Elend schuld.

Von unseren Freunden haben wir Jodtabletten erhalten. Cor­nelia wurde wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Seitdem nehmen wir hohe Dosen Jodtabletten. Allerdings ist es zu spät. Die hohe Dosis vergiftet unsere Körper. Cornelia und ich se­hen elend aus. Auch mein Immunsy­stem ist jetzt zu­sammen­gebrochen. Wir haben beide keine Haare mehr auf dem Kopf. Nur mit Mühe und Not kön­nen wir uns noch auf­recht erhalten. Ein ambulanter Dienst versorgt uns. Wir spü­ren beide den Tod. Es wird nicht mehr lange dauern.

Gestern waren zwei Ärzte bei uns - mit Schutzanzügen! Sie haben uns Injektionen gegeben, um das Leiden zu er­leich­tern. Mit Morphium haben sie uns betäubt. Ich spüre, wie die Kräfte immer mehr aus meinem Körper weichen. Jetzt liege ich mit Cornelia im Bett und halte ihre Hand. Der ambulante Notdienst versorgt uns. Der Tod rückt immer näher. Ich bin ganz schwach, nur mit Mühe kann ich noch Flüssigkeit schlucken. Ich habe Angst vor dem Tod. Der einzige Trost in meinem Leben war Cornelia. Nur ein kurzes Glück und jetzt ist es gleich vorbei. Warum musste mein Leben so enden?


Wer mehr als diese Zusammfessung lesen möchte, findet es hier: 

mehr über den Mars und Malonia



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